Geprüfter Handelsfachwirt (IHK)
Aufstiegsfortbildung für Führungskräfte im Handel – betriebswirtschaftlich, praxisnah, IHK-anerkannt.
📋 Beschreibung
Was ist die Prüfung „Geprüfter Handelsfachwirt (IHK)“?
Prüfungsinhalte und Themen
Die Prüfung gliedert sich in zwei große Teile. Der erste Teil umfasst die Handlungsbereiche Unternehmensführung und -steuerung, Führung, Personalmanagement, Kommunikation und Kooperation sowie Handelsmarketing. In diesen Bereichen musst du nachweisen, dass du betriebswirtschaftliche Zusammenhänge im Handel verstehst, Unternehmenskennzahlen analysieren kannst und in der Lage bist, Marketingkonzepte zu entwickeln und Personalverantwortung zu übernehmen.
Im zweiten Prüfungsteil wählst du einen von vier Handlungsbereichen als Schwerpunkt: Vertriebssteuerung, Handelslogistik, Einkauf oder Außenhandel. Hier geht es um vertieftes Fachwissen in deinem gewählten Spezialgebiet. Relevante Rechtsgrundlagen, die du kennen solltest, sind unter anderem das Handelsgesetzbuch (HGB), das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) im Bereich Kaufrecht, arbeitsrechtliche Vorschriften sowie je nach Schwerpunkt zoll- und außenwirtschaftsrechtliche Bestimmungen.
Ablauf und Rahmenbedingungen
Die Prüfung besteht aus schriftlichen und mündlichen Teilen. Im ersten Prüfungsteil werden die Handlungsbereiche in schriftlichen Klausuren geprüft, die jeweils zwischen 90 und 120 Minuten dauern. Im zweiten Teil legst du eine schriftliche Situationsaufgabe in deinem gewählten Schwerpunkt ab. Darüber hinaus findet ein situationsbezogenes Fachgespräch statt, in dem du eine praxisnahe Aufgabenstellung mündlich bearbeitest und deine Lösungsansätze präsentierst. Dieses Fachgespräch dauert in der Regel 30 Minuten. Jeder Prüfungsteil muss mit mindestens ausreichend (50 Punkte) bestanden werden. Nicht bestandene Prüfungsteile können zweimal wiederholt werden.
Tipps zur Vorbereitung
Beginne frühzeitig mit der Vorbereitung und erstelle dir einen strukturierten Lernplan, der alle Handlungsbereiche abdeckt. Arbeite mit aktuellen Gesetzestexten und übe anhand praxisnaher Fallstudien, da die Prüfungsaufgaben stark auf die Anwendung von Wissen in realitätsnahen Situationen ausgerichtet sind. Bilde Lerngruppen, um komplexe Themen gemeinsam zu erarbeiten und dich gegenseitig abzufragen. Nutze alte Prüfungsaufgaben, um dich mit dem Aufgabenformat vertraut zu machen und dein Zeitmanagement zu trainieren. Hier auf deinepruefung.de kannst du mit ueber 500 kostenlosen Uebungsfragen gezielt trainieren und deinen Wissensstand in allen relevanten Themenbereichen ueberpruefen.
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Häufige Prüfungsfragen: Geprüfter Handelsfachwirt (IHK)
Hier findest du typische Fragen aus der Prüfung mit ausführlichen Erklärungen — ideal zur Vorbereitung.
Frage 1: Ein Filialleiter wendet situatives Führen nach Hersey und Blanchard an. Ein neuer Mitarbeiter ist motiviert, hat aber wenig Erfahrung. Welcher Führungsstil ist angemessen?
Richtige Antwort: D — Überzeugen – Entscheidungen erklären und emotional unterstützen
Nach Hersey/Blanchard entspricht ein motivierter, aber unerfahrener Mitarbeiter dem Reifegrad M2 (willig, aber noch nicht fähig). Der passende Führungsstil ist S2 'Selling/Überzeugen': hohe Aufgabenorientierung UND hohe Beziehungsorientierung. Der Vorgesetzte gibt Anweisungen, erklärt aber auch das Warum und unterstützt emotional. Anweisen (S1) wäre für M1 (unwillig und unfähig). Partizipieren passt zu M3, Delegieren zu M4. Merksatz: Wer will, aber noch nicht kann, braucht Führung mit Verstand – erklären statt nur befehlen.
Frage 2: Eine Mitarbeiterin im Einzelhandel ist seit 8 Monaten beschäftigt. Greift der allgemeine Kündigungsschutz nach dem KSchG bereits?
Richtige Antwort: B — Nein, erst nach 6 Monaten Wartezeit in Betrieben mit mehr als 10 Mitarbeitern
Nach § 1 Abs. 1 KSchG gilt der Kündigungsschutz nach 6-monatiger Wartezeit, aber nur in Betrieben mit regelmäßig mehr als 10 Beschäftigten (§ 23 KSchG). Die Frage fragt, ob der Schutz greift – nach 8 Monaten ist die Wartezeit erfüllt, die Betriebsgröße muss aber ebenfalls stimmen. Antwort (b) benennt beide Voraussetzungen korrekt. Antwort (a) ignoriert die Wartezeit, (c) beschränkt falsch, (d) nennt eine falsche Frist. Merksatz: 6 Monate + mehr als 10 Köpfe = Kündigungsschutz!
Frage 3: Ein Textilgroßhändler führt eine XYZ-Analyse durch. Saisonware wie Winterjacken zeigt klare saisonale Nachfrageschwankungen mit erkennbarem Muster. Welcher Klasse wird sie zugeordnet?
Richtige Antwort: B — Y-Artikel, da saisonale, aber vorhersehbare Schwankungen vorliegen
Die XYZ-Analyse klassifiziert nach Vorhersagegenauigkeit des Verbrauchs. Y-Artikel haben schwankenden, aber trendmäßig oder saisonal vorhersehbaren Bedarf – typisch für Saisonware wie Winterjacken, deren Nachfragezyklus sich jährlich wiederholt. X-Artikel sind konstant, Z-Artikel völlig unregelmäßig (z. B. Ersatzteile für seltene Reparaturen). Merksatz: Y wie Yin und Yang – es schwankt, aber mit erkennbarem Muster, daher mittlere Prognosegenauigkeit.
Frage 4: Ein Handelsunternehmen führt ein Mitarbeitergespräch mit Zielvereinbarung. Die Ziele sollen SMART formuliert sein. Wofür steht das R in SMART?
Richtige Antwort: B — Realistisch
SMART steht im deutschsprachigen Raum für Spezifisch, Messbar, Attraktiv/Akzeptiert, Realistisch, Terminiert. Das R fordert erreichbare, realistische Ziele. Antwort a (relevant) wird in manchen englischsprachigen Quellen für R verwendet, ist aber in der deutschen IHK-Systematik dem A-Kriterium (attraktiv/angemessen) sinngemäß zugeordnet. C und d sind keine SMART-Kriterien. Merksatz: SMART-Ziele müssen realistisch sein – unerreichbare Ziele demotivieren.
Frage 5: Ein Handelsunternehmen mit 200 Mitarbeitern entlässt innerhalb von 30 Tagen 25 Arbeitnehmer. Welche gesetzliche Pflicht entsteht nach § 17 KSchG?
Richtige Antwort: A — Anzeigepflicht bei der Agentur für Arbeit (Massenentlassungsanzeige)
§ 17 KSchG verlangt bei Massenentlassungen eine Anzeige bei der Agentur für Arbeit. Bei 60–499 Beschäftigten greift die Pflicht ab 10 % der Belegschaft oder mehr als 25 Entlassungen. 25 von 200 = 12,5 %, also über der 10-%-Schwelle. Der Betriebsrat wird angehört (§ 17 Abs. 2), erteilt aber keine Genehmigung. Gewerbeamt und Gewerkschaft haben hier keine Rolle. Merksatz: Massenentlassung = Pflichtanzeige bei der Arbeitsagentur, nicht beim Betriebsrat.
Frage 6: Ein Textilfilialist vereinbart mit Mitarbeitern Zielvereinbarungen nach dem SMART-Prinzip. Welches Kriterium fehlt am offensichtlichsten, wenn das Ziel lautet: 'Umsatz steigern'?
Richtige Antwort: A — Spezifisch – das Ziel ist zu vage formuliert
SMART: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert. 'Umsatz steigern' ist nicht spezifisch – es fehlen konkrete Zahlen, Bezugsgrößen und Produktbereiche. b) Attraktivität ist subjektiv und nicht aus der Formulierung ableitbar. c) Ohne konkrete Zahl kann Realismus nicht beurteilt werden. d) Terminierung fehlt ebenfalls, aber die fehlende Spezifik ist der offensichtlichste Mangel. Merksatz: SMART beginnt mit S – erst konkret, dann messbar!
Frage 7: Ein Maschinenhändler exportiert Pumpen nach Ghana. Er vereinbart DPU Tema (Incoterms 2020). Was unterscheidet DPU von DAP?
Richtige Antwort: A — Bei DPU trägt der Verkäufer zusätzlich die Entladung am Bestimmungsort
DPU (Delivered at Place Unloaded) ist die einzige Incoterms-2020-Klausel, bei der der Verkäufer auch die Entladung am Bestimmungsort schuldet. Bei DAP (Delivered at Place) endet seine Pflicht mit Ankunft des beladenen Transportmittels. b) ist falsch – Versicherung ist bei beiden nicht verpflichtend, c) beide gelten multimodal, d) ist falsch – Gefahrenübergang ist am Bestimmungsort. Merksatz: DPU = DAP plus Entladung durch den Verkäufer.
Frage 8: Eine Betriebsvereinbarung gewährt 28 Urlaubstage, der Tarifvertrag 30 Tage. Was gilt für tarifgebundene Mitarbeiter eines Handelsunternehmens?
Richtige Antwort: B — Der Tarifvertrag, da er günstiger für den Arbeitnehmer ist
Nach dem Günstigkeitsprinzip (§ 4 Abs. 3 TVG) gilt bei konkurrierenden Regelungen die für den Arbeitnehmer günstigere. 30 Tage Tarifvertrag schlagen 28 Tage Betriebsvereinbarung. Zudem greift § 77 Abs. 3 BetrVG: Betriebsvereinbarungen dürfen tariflich geregelte Gegenstände nicht abweichend regeln. Der gesetzliche Mindesturlaub (BUrlG) ist nur Untergrenze. Merksatz: Im Zweifel gilt, was für den Arbeitnehmer besser ist.
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